Nachhaltiges Webdesign: Erste Schritte

Grit Marti Lange, Pia Spengler


#Eco Branding
#Green IT
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Intro

Digitale Kommunikation nachhaltig gestalten – geht das überhaupt? Tatsächlich wirft der kritische Blick auf unsere digitale Welt, mit all ihren Auswirkungen auf Mensch und Umwelt, Fragen auf. In vielen Bereichen mangelt es an Klarheit und Transparenz – etwa wenn es darum geht, die digitalen CO2-Emissionen verbindlich zu messen oder die Trainingsdaten einer künstlichen Intelligenz wie ChatGPT nachzuvollziehen. Trotzdem ist unbestreitbar: Unsere gegenwärtige Art zu kommunizieren verbraucht Unmengen an Energie, produziert laufend CO2 und schließt zudem viele Menschen vom Dialog aus. Dabei lässt sich mit gezielten Anpassungen im Webdesign viel in puncto digitale Nachhaltigkeit erreichen.

Nachhaltiges Webdesign – 4 erste Impulse

1. Die eigenen digitalen Emissionen kennenlernen

Der erste Schritt zur nachhaltigen Website beginnt an der Basis: mit einem Blick auf die aktuellen digitalen Emissionswerte. Für die Messung eignen sich Tools wie der Carbon Calculator und der Ecograder. Mit ihnen lässt sich grob ermitteln, ob und an welchen Stellen Reduzierungspotential besteht. Wichtig zu wissen: Beide Mess-Tools berücksichtigen dabei jedoch nicht die gesamte Webpage, sondern nur die Einzelseite, die sich hinter der eingegebenen URL verbirgt. Daher können diese Tools nur eine Punktbetrachtung liefern.: Ein Blog wird also im Vergleich immer einen besseren Rankingplatz erzielen, als die komplexe, umfangreiche Website eines Online Shops oder Social Media Portals. Dennoch kann es auch für den kleinen Blog viele Möglichkeiten geben, den CO2-Fußabdruck der Seite deutlich zu reduzieren.

2. Umstieg auf grünes Hosting

Die Nutzung fossiler Brennstoffe spielt eine wichtige Rolle bei der massiven Umweltbelastung durch das Internet. Um die gravierenden Auswirkungen der Klimakrise abzumildern, müssen alle Sektoren und Branchen so schnell wie möglich auf grüne Energien umsteigen. Laut dem Branchenverband Bitkom e.V.haben deutsche Rechenzentren einen jährlichen Energiebedarf von 18 Milliarden Kilowattstunden, was etwa 0,55 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs Deutschlands ausmacht. Unternehmen, die ihre digitale Infrastruktur auf regenerative Ressourcen umstellen, können Emissionen sparen. Das grüne Hosting-Verzeichnis der The Green Web Foundation bietet einen Überblick über Webhosts, die ihre Server mit erneuerbaren Energien betreiben. Trotzdem ist auch hier Vorsicht geboten: Nicht alle gelisteten Serveranbieter beziehen ihren Strom zu 100% aus erneuerbaren Energien. Es werden auch diejenigen gelistet, die ihre nicht-grünen Anteile kompensieren.

3. Optimierung der Website-Performance und Effizienz

Optimierte Effizienz und Leistung sind feste Bestandteile digitaler Nachhaltigkeitskonzepte. Sie gelten als Schlüsselkomponenten jeder Strategie zur Emissionsreduzierung. Grundsätzlich gilt es, die Größe einer Website möglichst gering zu halten – das verbraucht nicht nur weniger Strom und reduziert die CO2-Emmision, sondern steigert auch die Performance. Hierfür kann es hilfreich sein, ein sogenanntes “Page Weight Budget” mit dem Performance Budget Calculator festzulegen: So wird der Programmierprozess rund um Asset-Metriken wie Media, HTML, CSS, JavaScript besser kontrollierbar.

Die Liste weiterer möglicher Einsparungsmaßnahmen ist lang und kann von Kontext zu Kontext unterschiedlich sein. Im Webdesign kann unter anderem ein nachhaltiger Umgang mit Schriftarten, Bildern und Videos eine große Wirkung erzielen. Ressourcenschonend ist es beispielsweise, auf bereits vorinstallierte Systemschriften zurückzugreifen, denn solche müssen von Nutzer:innen nicht erst heruntergeladen werden. Die Verwendung einer Standardschrift reduziert deshalb die Bandbreitennutzung und beschleunigt das Laden der Website. Zudem wird der Umfang des Renderings verringert, was sich wiederum auf den CO2-Ausstoß auswirkt. Auch ein bewusster Umgang mit den verwendeten Medien führt zu einer deutlich nachhaltigeren Website. So wird beispielsweise im Eco Branding die Performance der Seite verbessert:

  • Möglichst geringe Anzahl von Bildern/Videos
  • Optimierte Bildformate (reduzierte Dateigröße und optimierte Komprimierung)
  • Extern gehostete Videos
  • Vermeidung von Bildkaroussellen und automatischen Wiedergabemodi

Weitere Anregungen im Bereich Webdesign, aber auch für die Bereiche Web Development und Hosting finden sich im Sustainable Web Design Guide der Green Web Foundation.

4. Priorisierung der Accessibility

Auch UX-Aspekte spielen eine große Rolle, denn der Abbau von Barrieren und ein schnellerer Zugang zu Informationen bringen nicht nur ökologische Vorteile, sondern sind nach dem European Accessibility Act (EAA) ab 2025 verpflichtend. Wir wollen dazu beitragen, dass immer mehr digitale Inhalte für alle zugänglich und verständlich werden und folgen dazu den vier Zugänglichkeitsrichtlinien für Webinhalte, die von der Web Accessibility Initiative des World Wide Web Consortium herausgegeben wurden.

Wahrnehmbarkeit: Webinhalte sollten mit mehreren Sinnen wahrzunehmen sein.
Bedienbarkeit: Benutzer:innen sollten in der Lage sein, mit Webinhalten zu interagieren, indem sie verschiedene adaptive Geräte wie Tastatur, Maus, Bildschirmleser usw. verwenden.
Verständlichkeit: Die Interaktion mit Webinhalten sollte für möglichst viele Menschen einfach zu verstehen sein.
Robustheit: Webinhalte sollten browser- und plattformübergreifend funktionieren, auch mit unterstützenden Technologien.

Je mehr mitmachen, desto mehr können wir erreichen

Die vorgestellten Impulse zeigen ein paar der vielen Möglichkeiten und Wege auf, sich für ein zeitgemäßes Internet und mehr ökologische und soziale Verantwortung einzusetzen. Es gibt die unterschiedlichsten Ansätze für nachhaltiges Webdesign, von denen wir alle nur profitieren können. Was zählt ist: Anfangen. Lasst uns gemeinsam etwas bewegen!