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25. April 2002

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Traunstein und die Biomasse

Die Diskussion um die Frage Biomasse ja oder nein in Traunstein ist in den letzten Tagen zum Teil recht heftig geführt worden. Fast könnte man sagen, dass es ein handfester Streit ist.
   Die Hinweise von Mitgliedern des Stadtrates auf die alleinige Entscheidungskompetenz des Stadtrates kamen völlig zurecht. Die Entrüstung einiger Stadträte darüber, dass Bürger über die Stimmabgabe bei Wahlen hinaus auf das Geschehen in der Stadt Einfluss nehmen wollen, ist menschlich.
   Der heftigste Streit wird oft um Kleinigkeiten geführt und rührt meist daher, dass man dieselbe Sache aus unterschiedlichen Perspektiven sieht. Wer vor dem Sternbräu sitzt, kann sagen: ich sehe keine Dächer. Wer von der Weinleite auf die Stadt schaut, wird das Gegenteil behaupten. Und beide haben Recht!
   So ist das mit der Biomasse. Es geht um die unterschiedlichen Perspektiven. Und man kann auch nicht sagen, dass der eine Standpunkt richtig und der andere falsch ist.
   Aus meiner Perspektive finde ich die Entscheidung gegen die Biomasseheizung bedauerlich. Aber die Stadträte haben so gestimmt, wie sie meinen, dass ihre Wähler es von ihnen erwarten.
   Unsäglich lästig und unproduktiv ist das Hickhack um die Frage der Wirtschaftlichkeit der Biomasseheizung.
   Über Wirtschaftlichkeit kann man streiten wie über Schönheit oder Geschmack. Wirtschaftlichkeit ist keine wissenschaftlich eindeutig feststellbare Größe, wie die Erdanziehung oder was ein Pfund Butter bei Aldi kostet.
   Wirtschaft ist eine ungenaü Wissenschaft. Sie beschäftigt sich nicht mit Naturgesetzen. Die öko-N O M I E  versucht zu ergründen, wie Menschen sich am Markt verhalten und leitet daraus Regeln ab, um zu erkennen, wo ein Geschäft zu machen ist.
   Die Öko- L O G I E benennt die Naturgesetze, die das Zusammenleben von belebter und unbelebter Materie bestimmen. Die Wirtschaft kann die Gesetze der Ökologie nicht außer Kraft setzen. Sie kann experimentieren - und das tut sie - wieviel Wirtschaft das ökologische System Erde verkraftet, bevor es kollabiert.
   Nun ist aber eine Minderheit der Meinung, dass die Zukunft unseres Heimat-Planeten nicht nur ein zufälliges Nebenprodukt aus den Geschäftstätigkeiten seiner Bewohner sein sollte. Dazu bekenne auch ich mich.
   Durch die Leitungen, die jetzt ins Gewerbegebiet gelegt werden, wird vielleicht eines Tages Biogas strömen, wenn auch für viel Geld und mit weltweiten Bundeswehreinsätzen nicht mehr genug Erdgas herbeizuschaffen ist. Die jetzigen Investitionen wären dann nicht ganz verloren. Auf positive Effekte für das globale Klima, die heimische Wirtschaft und die Sicherheit der Menschen müssen wir in Traunstein aber erst einmal bis zum nächsten Projekt warten. Die Agenda-Arbeitskreise lassen sich nicht entmutigen und arbeiten schon an neuen Plänen.

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